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Hektor, der Lektor – Auf Tuchfühlung mit dem Buch

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16. Februar 2016 von Sydney Polart ©

Er musste so viel lesen, Wort für Wort, Satz für Satz, Buch für Buch, Seiten verschlingen. Es hing ihm regelrecht zum Halse raus. Abgabetermine drängten ihn und dann noch diese unerträgliche Hitze. Er träumte schon von ihnen, und es war kein Sommernachtstraum, wohl eher ein Alptraum. So träumte er von seinen Klienten, die alles möglichst schnell gelesen haben wollten und kein Verständnis dafür hatten, dass er kein Verständnis mehr für ihre Geschichten hatte. Und als er gerade wieder über einem Text hing, rollte er mit einem Schlag die Augen über und sein Kopf fiel in die Seiten. So verbrachte er regungslos im aufgeschlagenen Buch die ganze restliche Nacht. Als am nächsten Morgen das Zimmermädchen in seinen Raum kam, bot sich ihr ein Bild des Grauens. Sie fand ihn genauso so vor, wie er sich hinterlassen hatte. Er war noch immer im Buch vertieft, und sein Speichel tränkte die Seiten. Sie stürzte zu seinem Tisch, griff sogleich zum Telefon und alarmierte die Ambulanz, die nach einer Weile auch eintraf. Die Einsatzkräfte leiteten sofort Wiederbelebungsmaßnahmen ein und konnten das Wunder kaum fassen: Sie schafften es ihn zurück ins Leben zu holen, gerade noch zu stabilisieren und brachten ihn ins nahe gelegene Hospital. Dort angelangt und aufgenommen, wussten die Ärzte zuerst nicht recht die Lage einzuschätzen, welche Diagnose zu stellen. So taten sie ihr Möglichstes, stabilisierten ihn weiter auf ihre Art und riefen den Experten, der schon öfter mit solchen Fällen zu tun hatte und für seine ungewöhnlichen wie wirkungsvollen Therapieansätze bekannt war. Doch brauchte es wiederum eine Ewigkeit und eine halbe Stunde, bis dieser auch eintraf und zum Patienten gelangte. Nachdem er im Patientenzimmer verschwand, begann für alle Beteiligten das bange Warten. Sie waren alle bis aufs Äußerste gespannt, Ärzte wie Schaulustige, andere Patienten, Schwestern und Brüder von Schwestern, die alle dastanden und sich und einander fragten, was da wohl rauskommt. Es war gerade nicht viel los, im Krankenhaus, alle auf Urlaub, Sauregurkenzeit. Gerade noch rechtzeitig bevor das Geschnatter vor dem Patientenzimmer unüberhörbar geworden und der Lektor nachhaltig ins Gerede gekommen wäre, erschien auch schon der Experte, trat aus dem Patientenzimmer vor die Menge, die ihn mit großen Augen ansah, was er denn wohl zu sagen hätte, wie seine Diagnose ausfiele, zu diesem sonderlich sommerlichen Fall. Der Experte Dr. Rainer Best verkündete schließlich, dass es sich beim Patienten, Hektor, dem Lektor, um einen besonders seltenen Fall von literarischem Schock handle, ausgelöst durch einen Beistrich zu viel. Sein Patient konnte ihn nicht mehr sehen. Doch er ist froh sagen zu können, dass sich sein Patient am Weg der Besserung befinde. Auf Basis seiner langjährigen Erfahrung mit solchen Fällen, hat er seinen Patienten auf leichte Kost gesetzt, sodass er wieder langsam zu sich kommen und ins normale Leben zurückfinden könne, und ihm daher verschrieben, dass sich sein Zimmermädchen die nächsten Wochen um ihn fürsorglich kümmern solle. Die Menge war beruhigt zu hören, dass der Lektor in fähigen Händen war, und zerstreute sich auch wieder nach einer kurzen Weile und ging wieder allen möglichen Zerstreuungen nach, um ihre Langeweile zu bekämpfen. Dr. Rainer Best nahm sich das Zimmermädchen zur Brust und briefte sie damit, welche spezielle Therapie er für Hektor, den Lektor, vorsah. Sie hörte ihm aufmerksam zu, notierte sich alles genauestens, war zwar verwundert über die Worte des Experten, aber letztlich voll motiviert ihrem Chef zu dienen und ihm dabei zu helfen wieder schnell auf die Beine zu kommen. Nach dieser Unterredung zog sich Dr. Best zurück und das Zimmermädchen wusste, was zu tun, was ihr aufgetragen wurde. Sie sah sich im Empfangsbereich des Hospitals um und wurde auch schnell fündig, packte das Material ein und schritt schnellen Fußes Richtung Patientenzimmer, um ihrem Chef Gutes zu tun. Sie öffnete die Tür, trat ins Zimmer ein, schloss sie hinter sich und nahm kurz Platz neben ihrem verehrten Chef und Lektor, der nach wie vor, obwohl zu sich gekommen, noch weitgehend neben sich war und sich nicht recht rühren konnte. Sie stellte sich dicht an sein Bett, beugte sich etwas über ihn, griff zu, und schlug, wie ihr aufgetragen wurde, andere Seiten auf. Ein lauter Schrei ging durchs ganze Hospital, doch war es kein Schrei der Lust, sondern ein Angstschrei, den der Lektor ausstieß, denn sie hatte gerade begonnen ihm aus der Illustrierten vorzulesen.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

alias I.G. Fruhmann

Y 8:8; Y 7:14

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