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Der starke Glaube an den Irrglauben macht ihn nicht glaubwürdiger

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13. November 2015 von Sydney Polart ©

Wie kann ich euch vor Augen führen, dass die Wissenschaft, anders als sie selbst glaubt und behauptet, nicht objektiv ist?

Objektiv ist und kann sie deshalb niemals sein, weil Subjekte als Wissenschafter im Spiel sind. Und auch wenn der Wissenschafter noch so lange im Labor sitzt, von allen Menschen als kontaminierende Störfaktoren hermetisch abgeriegelt, und auf Objekte starrt, gelingt es ihm nur objektiv zu werden, wenn er darüber zum Objekt würde, das heißt seine Menschlichkeit hinter sich ließe. Das mag jetzt den einen oder anderen faszinieren, doch gilt es zu bedenken, dass die Entmenschung hin zum Unmenschen, zum unmenschlichen Ding, kein reversibler Vorgang ist und der Wissenschafter darüber den Anschluss an die Menschheit verlöre.

Die Wissenschaft und die in ihr wirkenden Forscher als Subjekte und ihre auf Erkenntnisse beruhenden Ergebnisse sind daher bestenfalls intersubjektiv und nicht objektiv. Doch auch die Intersubjektivität ist immer von interpretativem Sinnverstehen und konsensualer Verständigung darüber abhängig. Die Wissenschaft ist daher niemals objektiv und kann es niemals sein, solange Menschen im Spiel sind. Auch Computer und computergestützte Forschung sind nicht objektiv, da sie erstens von Menschen gemacht, zweitens das Forschungsdesign und damit alle Settings von Menschen, Subjekten ausgewählt, und drittens anhand wiederum durch Menschenhand eingegebenen Parametern ablaufen. All das trägt die Handschrift von Menschen, auch wenn es die, die noch so objektiv wirken oder sich und ihre Forschung als objektiv ausgeben, anders darstellen oder selbst sogar von der Objektivität ihrer selbst überzeugt sind.

Ein weiterer weit verbreiteter Irrglaube ist der, dass es nur das gibt, was die Wissenschaft erkannt hat und für gültig erklärt, und es alles andere nicht gibt. Denn viele, die an die Wissenschaft und den letzten Stand der Wissenschaft glauben, versteigen sich bedauerlicherweise in die verobjektivierte Behauptung, dass es das, wovon die Wissenschaft nichts weiß, es auch nicht gibt oder geben kann. So schließen sie sich leider nicht der akzeptablen wissenschaftstheoretisch haltbaren Aussage an, dass es in der menschlichen Erfahrungswelt erstens zahlreiche Phänomene gibt von denen die Wissenschafter keine Kenntnis haben und zweitens zahlreiche Phänomene existieren für die noch keine vernünftigen wissenschaftlichen Hypothesen oder gar Theorien entwickelt wurden.

Wie soll ich diesen obgenannten  Irrglauben, dass es für den  vernunftgesteuerten realitatsbezogenen wissenschaftsgläubigen Menschen nur das gibt und geben kann und darf, was die Wissenschaft bereits erforscht und belegt hat. Wie kann aus so einem geschlossenen dogmatischen Denksystem wieder ein offenes lernfähiges System werden, wie kann ich diesen Irrglauben nun aufbrechen?

Nun gut, ich will einen Vergleich anstellen, der es auf die Spitze treibt und zeigt, dass das, was die Wissenschaft erkennt, ob es denn nun stimmt oder nicht, immer nur die Spitze des Eisbergs ist und sein kann. So verleitet der Glaube an die Wissenschaft des Wissenschaftsgläubigen ihn dazu zu glauben es gäbe nur das, was die Wissenschaft erkennt und was sie für gültig erklärt. Dieser Glaube kommt dem gleich, wie der, der die Nachrichten sehr stark verfolgt, und weil diese so gut und kompetent aufgemacht präsentiert werden, plötzlich anzunehmen beginnt, dass es nur das gibt und nur das gültig ist, worüber in den Nachrichten berichtet wird, also, dass nur das geschieht, was es in die Nachrichten schafft, und die Unsumme an Geschehnissen, die weltweit passieren, nicht passierten, und wenn er zu den intelligenteren Zuschauern zählt, führt er gerne das Argument ins Treffen, dass nur das Relevante, nur über das Relevante berichtet wird. Doch auch das ist kein Argument, das auch nur 1 Minute standhält, denn aufgrund seiner Obsession und des blinden Glaubens an die Nachrichten, glaubt er also in seiner Obrigkeitsgläubigkeit, dass die Medienmacher alles Relevante wahrnehmen und in „grenzenlosen objektiven“ Weisheit wüssten was relevant wäre und das Irrelevante vom Relevanten trennen könnten und nur das Relevante an ihn, der die Nachrichten verfolgt und in dieser Bubble lebt, als Fortsetzungs-Soap weitergeben, und das tagtäglich.
Und wieder wird ein wesentlicher Punkt vom wissenschaftlich gebildeten, oder sagen wir gut einseitig informierten, doch niemals kritisch zu denken gelernt habenden obrigkeitsgläubigen Konsumenten der Nachrichten, übersehen. Das Relevante vom Irrelevanten zu unterscheiden, ist relativ und damit im höchsten Maße subjektiv. Was dem einen relevant und interessant erscheint, ist für den anderen völlig irrelevant und absurd. Und der Glaube an die große Zahl und ihre Intelligenz als Kriterium für Relevanz hat sich weltweit in der Evolutionstheorie und der daraus folgenden Eugenik und dabei besonders im Dritten Reich in Komplizenschaft mit der Wissenschaft als ausgesprochen gefährlich und teuflisch erwiesen.

Die Beurteilung was also relevant und was irrelevant ist, und was überhaupt wahrgenommen wird, ist abhängig davon, welcher Ideologie („Schleusen der Parteilichkeit“ nach Max Scheler) man anhängt und welches „Vorwissen“ (Martin Heidegger und Hans Georg Gadamer: Hermeneutischer Zirkel) man mitbringt, da dieses Vorwissen stark dazu geneigt macht, das eine wahrzunehmen, das andere nicht, sowie das eine als relevant zu erachten und das andere nicht. So gesehen gibt es kein objektiv, kein absolut, kein sicher, sondern sicher nur Perspektive und „konsensuale Wahrheitstheorie“ (Jürgen Habermas).

Wenn man sich daher der systemisch-perspektivisitischen Sicht in Verknüpfung mit Ideologiekritik und Selbstreflexion verpflichtet fühlt, ist man dazu eher in der Lage seinen eigenen Standpunkt ständig zu reflektieren und ist gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen und Aussagen, die von der Mehrheit gestützt werden, kritischer. Denn für selbstgesteuerte kritische Geister, die dem Grundsatz der Aufklärung (Immanuel Kant: Wage es deine Weisheit zu gebrauchen) folgen, macht auch ein starker und beharrlicher Glaube an einen Irrglauben, der von einer großen Mehrheit getragen wird, diesen weder glaubwürdiger noch schlüssiger.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

alias I.G. Fruhmann

Y 8:8; Y 7:14

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