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Zur gesellschaftlichen Aufgabe der Philosophie – Was der Philosoph tut

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25. Juni 2015 von Sydney Polart ©

Was ich immer so amĂŒsant finde ist, nicht die Tatsache, dass manche Menschen nicht wissen, was ein Philosoph tut, weil sie es oft nicht verstehen, ja nicht mal nachvollziehen können, was er tut, sondern, dass sie glauben zu wissen, und voller Überzeugung standhaft vertreten, was ein Philosoph tun darf, wissen darf, wofĂŒr er qualifiziert ist, und wo er nun wirklich nichts verloren hĂ€tte, sich also tunlichst heraushalten sollte.

Man muss sich vor Augen halten, dass jene Menschen, die all das glauben zu wissen, die sich herausnehmen den Philosophen an seine Kompetenzgrenzen erinnern zu können, das tun, obwohl sie absolut keine Ahnung haben, was ein Philosoph ist, was ein Philosoph tut, womit sich ein Philosoph beschĂ€ftigt, noch sich jemals die MĂŒhe gemacht haben auch nur ein Mal das Curriculum des Philosophiestudiums, also den philosophischen Lehrplan auch nur durchzublĂ€ttern, geschweige denn nachzuvollziehen.

Ähnlich wie manche Handwerker oder andere Teile der Gesellschaft nicht verstehen, wozu viele Studienrichtungen an den UniversitĂ€ten denn nĂŒtzlich seien – hat man doch die Fachhochschulen mit ihrer praktischen Ausrichtung – und daher vehement fĂŒr die  Abschaffung aller Studienrichtungen außer Betriebswirtschaft, Medizin, Jura und die technischen Wissenschaften plĂ€dieren, erkennen jene Menschen, die den Philosophen versuchen auf etwas zu begrenzen, leider nicht, wie sehr sie selbst einzelne Wissensgebiete begrenzt denken, wie sehr sie getrennt denken, also die Wissensgebiete in gĂ€nzlich voneinander unabhĂ€ngigen Schachteln denken.

Es kommt noch viel schlimmer: Jene Menschen erkennen nicht, wie sehr sie sich von ihren gesellschaftlichen AutoritĂ€ten, die oft selbst noch ein Vielfaches weniger systemisch denken als sie selbst es tun, manipulieren lassen, die sie als Idole in sich tragen und deren Personen und Aussagen sie gegen Eindringlinge in deren Kompetenzbereich verteidigen und dabei bloß unbewusst zu unwissenden Komplizen und Helfershelfern der arbeitsteiligen Wirtschaft und ihren Interessen, die die Wissenschaft großteils in Geiselhaft hĂ€lt, verkommen.

Dabei, obwohl sie vollmundig und mit allem ihnen verfĂŒgbaren Nachdruck dem Philosophen versuchen vorzuschreiben und weißzumachen, was er tun und wissen darf, vergessen sie völlig darauf, ja wissen oft nicht einmal, dass es die Philosophie war und ist, aus der jede erdenkliche Einzelwissenschaft, also die unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen und damit in Verbindung stehende gesellschaftliche Bereiche entstanden ist und auch heute noch entstehen.

So hĂ€tte sich der Moralphilosoph und Ökonom Adam Smith, als er sein The Wealth of Nations 1776 verfasste sich wohl nicht gedacht, dass sein Grundlagenwerk fĂŒr die moderne arbeitsteilige Gesellschaft und die daraus folgende Industriegesellschaft auch derart starke Auswirkung auf die geistige Arbeitsteilung haben wĂŒrde und so auch die Wissenschaften dieser Arbeitsteilung unterzogen werden wĂŒrden.

So entstanden peu Ă  peu die Einzelwissenschaften aus der Philosophie, der Mutter aller Wissenschaften und die philosophische Grundlage fĂŒr hochspezialisierte Wissensgebiet wurde arbeitsteilig gelegt und leider dabei die systemische Zusammenschau außer Acht gelassen.

Diejenigen, die heute Kritik an der Philosophie ĂŒben, und da sind akademische Kritiker anderer Studienrichtungen miteingeschlossen, sind sich meist dieser HintergrĂŒnde der letzten 250 Jahre Wissenszersplitterung und der dramatischen Auswirkungen auf den Menschen und sein FĂŒhlen in seiner Lebenswelt nicht bewusst, obwohl das Wohlbefinden des Menschen und die Sympathie als Grundlage fĂŒreinander zu arbeiten die erklĂ€rte Absicht des Philosophen Adam Smiths war, dargelegt in seinem philosophischen Hauptwerk: ‚Die Theorie der ethischen GefĂŒhle‘.

So wissen die, die Philosophie  Ă€hnlich den anderen Wissenschaften auf eine Einzelwissenschaft reduzieren und missverstehen, dass dem  umfassenden und systemischen Anspruch der Philosophie alle Wissensgebiete betreffend, alle  Arten und Formen des Denken mit denen sich die Einzelwissenschaften auseinandersetzen zu supervidieren, gegenĂŒbersteht, weiters nicht, dass es die Philosophie ist, in der sich alles darum dreht klar zu denken, sich klar und logisch auszudrĂŒcken, worauf sich so viele Studienrichtungen, die vorwiegend und gleich in medias res gehen, ohne die fĂŒr eine hinreichend aussagekrĂ€ftige Analyse notwendige vorausgehende KlĂ€rung der Gedanken, nicht spezialisiert haben.

Damit kommt der Philosophie als Mutter aller Wissenschaften, die sie ist, als Metawissenschaft die Aufgabe zu, die Aufsicht auf ihre Kinder, die Wissenschaften und ihren Einfluss auf die Gesellschaft zu ĂŒbernehmen und kritische Stellungnahmen zu leisten, also die Wirkung jeder Einzelwissenschaft auf das Gemeinwohl hin zu untersuchen, zu supervidieren und gegebenenfalls steuernd eingreifen.

Doch ist der heutige Zeitgeist  von einem ausgeprĂ€gten gesellschaftlichen Gegenwind fĂŒr Philosophen geprĂ€gt, da jede Einzelwissenschaft fĂŒr sich beansprucht ausreichenden Überblick ĂŒber die gesellschaftliche Auswirkung ihres Tuns zu haben, was einhergeht mit der gesellschaftlichen Tendenz in der die meisten Menschen sich nichts und von niemandem reinreden lassen wollen.

Problematisch ist diese Haltung jedoch, wenn auch die weitgehend unkontrolliert agierende in der Hand der Wirtschaft als ihr Auftraggeber seiende Wissenschaft und ihre Vertreter, die ihre Einzelinteressen verfolgen und nicht das Gemeinwohl reprĂ€sentieren die Supervision durch die Philosophen ablehnen und damit ihr Einzelinteresse ĂŒber das Gemeinwohl stellen.

Das Ă€ußert sich dann so, dass Ethikkommissionen in ihrer Zusammensetzung zur Farce mutieren, indem die Mitglieder dieser Kommissionen sich aus in der Ethik weitgehend ungeschulten VertreterInnen der Einzelwissenschaften rekrutieren, die ihr VerstĂ€ndnis von Ethik, sofern ĂŒberhaupt vorhanden, nicht aus philosophischen, sondern aus privaten Quellen schöpfen und ihre unreflektierten Meinungen zu Wissenschaftlichkeit hochstilisieren.
Da jene unqualifizierten Mitglieder der Ethikkommissionen keine universitĂ€re ethische Bildung erfahren haben, greifen sie kurzerhand auf das fĂŒr sie VerlĂ€ssliche zurĂŒck, was sie aus ihren Studien kennen, und das sind fĂŒr sie bloß die Zahlen.

Sie vergessen dabei, dass die Sprache der Zahlen keine ethischen QualitĂ€ten beinhalten, auch wenn die Methoden der Statistik ĂŒber die qualitative Sozialforschung versuchen  QualitĂ€ten in Zahlen auszudrĂŒcken, und wissen in ihrem wissenschaftlichen  reduktionistischen Denken nicht, dass man aus QualitĂ€ten niemals ein mechanistisches Rechenmodell machen kann, so verfĂŒhrerisch sich der Umgang mit Zahlen und damit die Sehnsucht nach ObjektivitĂ€t auch anbieten mag.

Damit, dass die auf sie achtenden Menschen in der Gesellschaft, die ihnen vertrauen, weiter nun die Ethik gegen Statistiken eintauschen und immer weiter reduktionistisch vorgehen, wird auch Immanuel Kant zu Grabe getragen, da das von ihm im Menschen angelegte vorsprachliche Apriori-Wissen gĂ€nzlich dem greifbaren quantifizierbaren ‚wissenschaftlichen‘ Aposteri geopfert wird. Was fĂŒr ein gesellschaftspolitischer gefĂ€hrlicher Unsinn! Da dieses Aposteri nun aus fragwĂŒrdigen zur Wissenschaft erkorenen GrĂŒnden kein ethisches Korrektiv mehr erfĂ€hrt und die reduktionistische unsystemisch denkende Wissenschaft wird auf zweifelhafte ObjektivitĂ€t getrimmt und zum absoluten Glaubenssystem erhoben.

Unter diesen falschen Voraussetzungen, die Apriori-Wissen des Menschen als unwissenschaftlich verteufelt, ist es dann innerhalb der bloß von unqualifizierten Ethikkommissionen  beaufsichtigten Wissenschaften und Ministerien kein Problem mehr etwa Genmanipulationen bei Mensch, Saatgut und Patentierung von Lebewesen zu legitimieren, auf Atomenergie und Verbrennungstechnologie zu setzen und deren systemische Folgen wie Harrisburg, Tschernobyl, und Fukushima, sowie die exponentielle Vernichtung der Artenvielfalt zusammenhangslos als Auswirkung hinzunehmen.

All das Genannte ist hier nur exemplarisch aufgezĂ€hlt, und kann nur als Spitze des Eisbergs der systemischen SchĂ€den und Folgen fĂŒr Mensch und Natur und als fortlaufende SchĂ€digung ganzer Biosysteme gesehen werden.

Bei all diesem scheinbaren technischen Fortschritt wurde das Apriori-Wissen ignoriert und der Logik der Machbarkeit geopfert, also dem, dass alles, was möglich ist, auch getan werden soll, und erst recht dann, wenn es gewinnbringend ist und die Wissenschaft der Wirtschaft die nötigen Zahlen liefert.

So gesehen ist es nur logisch, dass die UniversitĂ€ten ihre ForscherInnen dazu verpflichten Drittmittelfinanzierungen von Unternehmen zu lukrieren, deren Ergebnisse auch fĂŒr andere ForscherInnen öffentlich nicht mehr zugĂ€nglich sind, um den Forschungsvorsprung und damit den wirtschaftlichen Vorteil des Auftrag gebenden Unternehmens auszubauen, ganz zu schweigen von Vereinbarungen zwischen Wirtschaft und Staat, die die  nationalen Interessen wie den Mobilfunk betreffen oder wissenschaftliche Forschung, die in den Bereich der nationalen Sicherheit fĂ€llt, oder Konzerne, die gleich ganze Institute an UniversitĂ€ten finanzieren.

Daher wird auch versucht die Philosophen als mögliches Kontrollorgan auf die ZuschauerrĂ€nge zu verweisen und ihre unliebsamen Zwischenrufe, mit denen die  Philosophen auf die Einhaltung der Ethik und ihrer GrundsĂ€tze pochen, mit allem wissenschaftlich-wirtschaftlichen Getöse zu ĂŒbertönen.

Das es sich bei der Kontrolle der Wissenschaft und Wirtschaft um keine leichte Aufgabe, sondern wohl eher um eine Herkulesaufgabe fĂŒr die Philosophie als Kontrollorgan fĂŒr Wissenschaft und Wirtschaft handelt, dĂŒrfte nach diesen AusfĂŒhrungen nun wohl wirklich jeder und jedem klar sein.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

alias I.G. Fruhmann

Y 8:8; Y 7:14

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