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Über Gurus und Professoren

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4. Februar 2015 von Sydney Polart ©

Alle, die gerne hinters Licht gefĂŒhrt werden, muss ich enttĂ€uschen. Ich bin dafĂŒr nicht zu haben. Nur bitte ich sie auch in ihrem Interesse das Wort Guru nicht lĂ€nger leichtfertig, abschĂ€tzig und missbrĂ€uchlich zu verwenden und damit ihre ĂŒberbordende Ahnungslosigkeit zur Schau zu stellen und sich, ohne dass sie es merken, der allgemeinen LĂ€cherlichkeit Preis zu geben. Gemeint ist die blanke Unkenntnis ĂŒber die Etymologie und den eigentlichen Gebrauch des Wortes Guru. Ein Guru ist jemand, der, weil er schon gewisse Einsichten und Erkenntnisse gemacht hat, die weit ĂŒber den Erkenntnisstand der Mehrheit hinausgehen, den zu ihm kommenden Ratsuchenden aus der Dunkelheit (Sanskrit: Gu) ins Licht (Ru, die Vertreibung der Dunkelheit) fĂŒhrt, also aus dem Dunkel der Unkenntnis, des Unwissens, in das Licht der Selbst-Erkenntnis fĂŒhrt.

So orte ich bei so manchem und seiner Antipathie gegenĂŒber dem Guru an sich nichts anderes als ein Ressentiment gegenĂŒber dem Fremden, gegenĂŒber anderen Kulturen, und letztlich blanke, wenn auch latente und durch Bildung und Eloquenz kaschierte Fremdenfeindlichkeit. Gerne wird auch das Argument vorgebracht, dass ja ein Guru nichts weiter als eine religiöse AutoritĂ€t ist, der einer Kaste angehört, die sich auf unĂŒberprĂŒfbare Begriffe zurĂŒckzieht und genau darauf seine AutoritĂ€t aufbaut, dass sie unĂŒberprĂŒfbar sind.

Nun denken sich sicher manche: ‚Ja, genau so ist es. Und wer sagt uns, garantiert uns eigentlich, dass der Guru kompetent und lauter ist, und uns nicht nur willentlich oder unwillentlich, wissentlich oder unwissentlich hinters Licht fĂŒhrt?‘ Die Antwort darauf ist denkbar simpel: Niemand! Genauso, wie uns niemand sagen kann, uns niemand letztlich garantieren kann, dass das, was uns unsere vertrauten WissensautoritĂ€ten, die VertreterInnen unserer Wissenskaste, unsere ProfessorInnen, die gleich dem Guru vorgeben uns in Erkenntnis voraus zu sein, berichten, auch tatsĂ€chlich die Wahrheit ist. Denn auch die westlichen WissensautoritĂ€ten könnten uns willentlich oder unwillentlich, wissentlich oder unwissentlich in die Irre fĂŒhren, auf dem Holzweg sein.

Somit sind unsere ProfessorInnen nichts anderes als Gurus, nur eben Gurus, die uns vertraut sind, die unserer kulturellen PrÀgung entsprechen, die wir unhinterfragt als legitime WissensautoritÀten annehmen, vertrauter als manchem die Gurus aus Indien. In ihrem AutoritÀts- und Machtanspruch sind jedoch ProfessorInnen und Gurus vergleichbar.

Kommen wir also noch zum Punkt der ÜberprĂŒfbarkeit dessen, was die Gurus lehren. Es basiert darauf, dass man sich auf das einlĂ€sst, was sie lehren. Nur dann kann man beurteilen, ob es stimmig ist oder nicht. Jedoch liegt das Problem darin, dass man, je weiter man sich auf ihr System und ihre Begriffe einlĂ€sst, umso weniger beurteilen kann, was man sieht und hört, da man immer weiter Teil des Systems wird, das man zu analysieren versucht.

In all dem unterscheidet sich der Guru nur in der Terminologie von dem Professor westlichen Hintergrunds. Denn auch auf den Professor muss ich mich einlassen, auf seine Begriffe, auf sein System, und ich muss das blinde Vertrauen in ihn legen, dass das, was er mich lehrt, stimmt. Und was gibt mir diese Zuversicht ihm, dem Professor, dieses mein Vertrauen zu schenken? Es ist das weitere blinde Vertrauen in andere ProfessorInnen, in ein weltweites System von ProfessorInnen, die ich großteils alle nicht kenne, mir kein Urteil ĂŒber sie bilden kann; und dennoch vertraue ich ihnen und ihrem Urteil, dass dieser Professor, dieser westliche Guru, mit dem ich zu tun habe, weiß, was er tut, weiß, wovon er spricht, mir die Welt erklĂ€ren darf, mich aus dem Dunkel ins Licht fĂŒhren darf und kann. Dass das stimmt, was er sagt, was er tut, was er lehrt, beruht auf einer reinen Annahme, die wiederum selbst auf blankem und blinden Vertrauen basiert in ein System und seine VertreterInnen, die ja schon wissen mĂŒssen, was sie sagen, tun und lehren. Und doch ist es nichts als eine Annahme.

Wie können also Menschen, die scheinbar gebildet sind und sich sehr viel auf ihre Bildung einbilden, kaum hören sie das Wort ‚Guru‘, diesem reflexartig reaktionĂ€r misstrauen und den ProfessorInnen vorauseilend und blind vertrauen, wenn nicht, ja wenn sie nicht die Schule der ProfessorInnen, durch die sie gegangen sind, unhinterfragt durchlaufen haben und dabei nichts realisiert haben außer nichts zu hinterfragen, was sie gewohnt sind und alles, was ihnen ungewohnt ist. Und das haben ihnen ihre gewohnten WissensautoritĂ€ten mit aller ihnen zu Gebote stehenden AutoritĂ€t vermittelt, eingetrichtert, blind an das eigene System zu glauben und es gegen scheinbar Fremdes zu verteidigen und zu schĂŒtzen.

Wie könnte sonst das eigene System unhinterfragt bleiben und die WissensautoritĂ€ten ihre Machtstellung behalten, wenn es nicht ausreichend viele blinde GlĂ€ubige an das System gĂ€be, die gelehrt wurden ihren Intellekt auch hyperkritisch zu benutzen, fĂŒr und gegen alles, nur nicht dafĂŒr, um das eigene System zu hinterfragen. Sie haben gelernt zu fragen, zu reflektieren, alles, nur nicht sich selbst, ihren eigenen Stand, auf dem sie scheinbar so sicher ruhen, und ihre eigenen WissensautoritĂ€ten zu hinterfragen. Sie haben scheinbar alles gelernt ĂŒber die Welt, wie sie funktioniert, woraus sie sich zusammensetzt, und wie man sie in ihre Bestandteile zerlegt, und letztlich wie man sie zerstört. In ihrem intellektuellen ÜberlegenheitsgefĂŒhl maßen sie sich dennoch an auf andere Kulturen mit ihren Gurus und Schamanen herunterzublicken, da jene in ihren Augen ‚RĂŒckstĂ€ndige‘ es anders als die westliche Wissenschaft nicht vermögen die Welt in StĂŒcke zu reißen, sondern sich mit Selbstreflexion befassen. Jene Hochtrabenden der westlichen Welt sind jedoch empört, wenn man beschreibt, was sie an den Tag legen: latenten Rassismus.

Oft fahren AnhĂ€ngerInnen dieser Glaubenssysteme des Westens, die durch UniversitĂ€ten reprĂ€sentiert sind, zu Schamanen, geben vor ein Problem zu haben, nur um den Schamanen des Betrugs zu ĂŒberfĂŒhren und das andere Glaubenssystem als lĂ€cherlich und unwahr darzustellen, alles natĂŒrlich unter der Flagge der ObjektivitĂ€t oder dessen, was sie dafĂŒr halten. Wie die Entwicklung der Wissenschaften zeigt, haben zu jeder Zeit viele ReprĂ€sentanten der Wissenschaft vertreten, es handle sich bei Ihrem Stand der Erkenntnis um verabsolutierbare und universelle Wahrheiten, bis das darauffolgende Paradigma den Wahrheitsanspruch des vorangegangenen Paradigmas relativiert oder sogar ins Gegenteil verkehrt hat. Daher handelt es sich bei den Wissenschaften um temporĂ€r gĂŒltige Glaubenssysteme und ihre AnhĂ€nger.

Offen gesagt haben diese Menschen, die zu Schamanen fahren und vortĂ€uschen ein Problem zu haben, nur um den Schamanen der LĂŒge und des Betrugs zu ĂŒberfĂŒhren, die sie ihm unterstellen, tatsĂ€chlich ein Problem. Es ist jedoch nicht physischer, sondern psychischer Natur. Es handelt sich dabei zumeist um Fixierungen, und Neurosen mit starkem Ausbaupotential zu Psychosen, in jedem Fall jedoch um Besessenheit in der Form, dass sie besessen sind von der Überzeugung, dass es neben ihrer Welt nur LĂŒgner, BetrĂŒger, und Verbrecher gibt. Sie verweigern in Kontakt mit dem Schamanen jegliche Kooperation, verschließen sich vom Zweifel am FĂŒrmöglichhalten anderer Lösungen als der wissenschaftlichen bestimmt und gestĂŒtzt durch wissenschaftliche Überheblichkeit schlicht allem, und nehmen ihr durch Verifikation ihrer Annahme erbrachtes Ergebnis, dass es bei ihnen nicht funktioniert hat, als Beweis dafĂŒr, dass der ‚Zauber‘ des Schamanen generell nicht funktionieren kann. Zufrieden ziehen sie von dannen, mit dem LĂ€cheln auf den Lippen wieder einen Ketzer am Scheiterhaufen verbrannt zu haben, diesmal jedoch mit medialen Mitteln.

Vergleichsweise stelle man sich vor, welche Chance ein Professor hĂ€tte – nun stellvertretend fĂŒr den Guru oder Schamanen – durch die Ignoranz und Überzeugungen einer von der Straße in den Hörsaal kommenden Person zu dringen und etwas bewirken zu können – bei einer Person, die verhaltensauffĂ€llig und querulant, mit einer erkennbaren psychischen Störung versucht den Professor der LĂŒge zu ĂŒberfĂŒhren, das Ganze mit Kamera filmt und sich dabei sehr schlau vorkommt den Professor vorgefĂŒhrt zu haben. Im Übrigen wird fĂŒr gewöhnlich diese als Querulant geltende Person, sollte sie zur PrĂŒfung antreten, diese nicht positiv abschließen, da sie sich nicht auf die Lehrinhalte eingelassen hat.

Es handelt sich somit um nichts anderes als um einen interkulturellen Schulenstreit zwischen nicht-westlichen Schulen und westlicher Schule mit ihren jeweiligen ErklĂ€rungsversuchen, Terminologien und Methodiken und dem niemals zu unterschĂ€tzenden Anspruch auf Deutungshoheit seitens der ProfessorInnen und ihrer AnhĂ€ngerInnen, die beanspruchen im Besitz der Wahrheit zu sein oder auf dem besten Weg dorthin. Allerdings erheben sie bei dem, was sie Wissen nennen, seitdem der Begriff der Wahrheit in der Neuzeit in die Jahre gekommen ist, keinen Wahrheitsanspruch mehr, sondern seit geraumer Zeit einen ObjektivitĂ€tsanspruch. Letztlich handelt es sich bei beiden um ein und denselben Anspruch. Es ist nur ein ‚Renaming‘ erfolgt.

Wer von den Ewiggestrigen der westlichen Welt nun noch immer versucht Gurus, Schamanismus und Esoterik generell, also die innere Wissenschaft und ihre VertreterInnen, zu diffamieren, leistet sich nicht nur einen latenten Rassismus, sondern gehört auch noch zu allem Überfluss zumeist dem Personenkreis an, der panische Angst vor Psychologie und Psychotherapie hegt, auch wenn er gerade der Psychotherapie nĂ€her ist, als ihm lieb ist und er sich eingestehen mĂŒsste, dass er sie doch so dringend nötig hĂ€tte.

Denn die inneren Wissenschaften wĂŒrden ihn, der voll der Reflexion ist, endlich auch zu Selbstreflexion fĂŒhren. So wĂŒrde er um den Grad des Fortschrittes in seiner Selbstreflexion weniger oft versuchen die Welt aus den Angeln zu heben und unseren blauen Planeten oder seine Mitmenschen zu ruinieren.
WĂŒrde er Selbstreflexion zulassen und sein Selbst nicht lĂ€nger in der VerdrĂ€ngung leben, nicht lĂ€nger in der Negierung seines Innenlebens und in der manischen Flucht nach außen alles mit Ausnahme seiner selbst zu reflektieren versuchen, dann, ja dann wĂŒrde er nicht lĂ€nger als Shiva der Weltenzerstörer auftreten, den er ja so sehr geringschĂ€tzt.

Und deshalb misstraue ich allen ProfessorInnen oder Gurus, die die Menschen nicht zur Selbsterkenntnis, nicht zur Selbstreflexion aufrufen, da sie unter Vorgabe der Reflexion und VortĂ€uschung falscher Tatsachen nur nach Studierenden, SchĂŒlerInnen und JĂŒngerInnen gieren, deren Zuwendung sie zum weiteren Machterhalt durch ihre beanspruchte WissensautoritĂ€t benötigen fĂŒr ihr machtverliebtes Spiel der Blendung der Öffentlichkeit.

Dabei geht es schon seit der griechischen Antike um nichts anderes als Selbstreflexion, die sich schon im Fundament unserer abendlĂ€ndischen Philosophie findet, ausgedrĂŒckt durch den mit Sokrates assoziierten Spruch am Eingang des Orakels von Delphi: ‚Erkenne dich selbst!‘

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

alias I.G. Fruhmann

Y 8:8; Y 7:14

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