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Über Rucksacktouristen – Die Pflicht sein Recht im Rucksack zuhause zu lassen

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3. Januar 2015 von Sydney Polart ©

Wenn ein Mann oder eine Frau eine Reise an den Südpol macht, ist es nur Narren nicht einsichtig, sich nicht entsprechend anzuziehen. Gleich verhält es sich mit exklusiven Anlässen, wo elegante Abendgarderobe erwartet wird. Der Kontext und die Umgebungsbedingungen bestimmen das Outfit, die Kleidung, das Verhalten. Und das gilt für jede Situation. Warum ist es dann vielen Reisenden in den Nahen Osten nicht einsichtig, sich den dortigen Bedingungen gemäß entsprechend zu kleiden, zu verhalten?
‚Ja, aber es geht hier um Menschenrechte und insbesondere um Frauenrechte, und da diese dort missachtet werden, sind dortige Gepflogenheiten ebenfalls zu missachten‘ heißt es dann. Und ich erwidere: ‚Nun gut, dann aber bitte mit Konsequenz. Bitte nicht schon wieder mit zweierlei Maß messen!‘
Warum stören sich hierzulande nur wenige daran, wenn sie Klosterschwestern sehen, die mit dem ‚westlichen Hijab‘, dem Habit, unterwegs sind? Die Antwort darauf: weil wir es gewohnt sind. Wir sind es genauso gewohnt wie große Teile der muslimischen Welt ihren Hijab. Und dann kommt die Gegenrede wie ein Reflex: ‚Ja aber die Klosterschwester hat ihr Leben in Keuschheit frei gewählt‘. Ich sage darauf: Das ist möglich, jedoch wurde sie ebenfalls in einen Kontext hineingeboren, und hat bestimmte Einsichten und Erfahrungen gemacht, die sie zu ihrer Entscheidung gebracht haben mit ihrem Habit herumzulaufen. Darin, dass sie in einen bestimmten Kontext hineingeboren wurde, und bestimmte Einsichten und Erfahrungen gemacht hat, unterscheidet sie sich nur marginal von einer Frau im muslimischen Kontext, die ebenfalls mit Kopftuch einen Großteil ihres Lebens verbringt, so wie auch große Teile älterer Frauen im ländlichen Bereich aus funktionalen Gründen Kopftuch tragen. Auch die schutzbedingte Arbeitskleidung, am Bau oder im Krankenhaus, oder die Kleidung im Gericht, nicht zuletzt die antiquiert wirkenden Talare und Perücken der Würdenträger in den Gerichtssälen des United Kingdom sind bestimmt von den Bedingungen des jeweiligen Kontextes. So hat der Hijab im muslimischen Raum die Funktion des Schutzes der Frau vor der Männerwelt.

Also wenn man von der oberflächlichen Betrachtung in der Diskussion einmal abzusehen vermag und stattdessen die Tiefenstruktur betrachtet, versteckt sich hinter der Antipathie gegenüber dem Kopftuch und den damit verbundenen Ressentiments nur zum einen Teil ein latenter Rassismus und zum anderen Teil hinter der Berufung auf die Menschenrechte und Frauenrechte, dass vielen westlichen Frauen und Männern der Lebensstil von Frauen und Männern in und aus anderen Regionen der Welt missfällt. Vielleicht ergibt sich auch daraus, warum man/frau beinahe schon trotzig in jene Länder auf Urlaub fährt und sich gerade Frauen nicht im geringsten an die dortigen Gepflogenheiten halten, sondern sich verhalten und kleiden wie im westlichen Zuhause. Wenn dann etwas Schlimmes vorfällt, wird nicht die vorangegangene Provokation durch westliche Kleidung und Verhalten der Besuchenden aus dem Abendland medial gegeißelt, sondern die Zustände in jenem Land des Vorfalls, die schlicht und ergreifend nicht mit den westlichen Rechtslagen vergleichbar sind.

In der Jurisprudenz vieler westlicher Staaten hat man sich schon lange, bereits im 19. Jahrhundert, von der Annahme und rechtlichen Auffassung getrennt, dass man/frau die gewohnten Rechte des Heimatlandes in jedes Land, das bereist wird, wie mit einem Rucksack, mitnehmen kann. Stattdessen herrscht in jedem Land ein eigenes Rechtssystem, dem die Reisenden unterworfen sind.
Auch rund 150 Jahre nach Abkehr von dieser Annahme und Auffassung scheint es noch so, als ob es sich im über die Maßen auf die Bildung seiner BürgerInnen wertlegenden und sich damit rühmenden Westen nicht weit herum gesprochen hat, dass Personen ihr Recht, auch wenn sie es für noch so entwickelt und überlegen gegenüber dem jeweiligen Landesrecht halten, nicht in jedes Land der Welt mitnehmen und dieses dort einfordern können, geschweige denn heimische Gepflogenheiten in jenen Ländern. Komplex, wie die Sachlage ist, plädiere ich dafür, dass daher auch in westlichen Ländern die Gesetze respektiert werden, damit es nicht generell zu einer schleichenden Aushöhlung des Rechtsstaates und der Rechtssicherheit durch Selbstjustiz und Gerichtsbarkeiten in Parallelgesellschaften kommt. Denn das Land, in das man/frau reist, in dem man/frau lebt, bestimmt die Gesetzeslage, der man/frau unterworfen ist und auf die man/frau sich berufen kann, unabhängig davon, ob diese nun gefällt oder nicht.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

alias I.G. Fruhmann

Y 8:8; Y 7:14

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