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Wissen ist Macht, mehr aber auch nicht

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26. November 2014 von Sydney Polart ©

Wie schon im alten Griechenland einst Sokrates sagte: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“ (und nicht: „ich weiß, dass ich nichts weiß“) und damit nur zu mehr Demut und Relativität, und zu dem, dass man sich in nichts wirklich sicher sein kann, aufrief, muss man, wenn man ehrlich zu sich und anderen ist, sich fragen: wie kann ich wissen, was ich weiß? Wie kann ich sicher sein, dass es nicht nur Glaube ist? Unser Wissen, oder besser das was wir zu wissen glauben, ist bestenfalls ein Vermutungswissen mit mehr Vermutung als Wissen. Und dabei beschränkt sich der Anteil des Wissens noch darauf, dass ich bloß weiß, dass es Vermutung ist, was ich als Wissen annehme. Aber „zum Glück“ wissen so viele Wissensträger und Wissensautoritäten in der Gesellschaft davon nichts und noch viel weniger wissen sie von Karl R. Poppers Theorie der ‚Vorläufigkeit der Erkenntnis‘.

Denn selbstimmunisiert sind sie sich ihrer Sache todsicher und damit unterscheiden sie sich nicht von Religionsgemeinschaften die für ihren Glauben, ihre Überzeugung, bis in den Tod gehen, denn sie sind im Besitz der Wahrheit und sterben dafür gerne den Märtyrertod, in diesem Fall den wissenschaftlichen Märtyrertod. Sie wissen alles, nur nichts von der Relativität der Bedeutung dessen, was sie ihr Wissen nennen. Sie hüten es wie einen Schatz. Denn ihre Identität baut auf ihrer Identifikation mit ihrem Wissen. Und ihre Identität ist somit das Wissen der Macht über die Welt, das Wissen der Macht über die Menschen darin.
Und so mögen die Wissensautoritäten glauben alles zu wissen, oder zumindest dass niemand anderer mehr weiß als sie, doch was sie nicht wissen, ist das ihr Wissen bloß verhärteter Glaube an die Ratio ist.

Und mit ihrem Wissen ist auch ihr Ego angeschwollen, und doch ist ihr Wissen, ihr Ego und auch ihre Macht vergänglich und bedeutungslos, aber auch davon wissen sie nichts, zu groß ist ihre Faszination am Wissen, an der Macht, zu groß ihr Verlangen nach mehr und mehr Wissen und damit mehr und mehr Macht über die Welt und Menschen darin. Und ihre als Wissen ausgegebenen Glaubenssätze wären der steten Revision unterworfen, wenn, ja wenn sie nicht vom Wissen, vom Trank der Macht so besessen wären und sie ihre intellektuelle Arroganz oder simple wissenschaftlich abgesicherter Borniertheit davor schützte.

Denn sie haben sicheres Wissen erlangt, eine unumstößliche sichere Basis, von der aus sie Herrschaftswissen (Max Scheler) über die Welt und die Menschen darin ausüben. Ihr fester Glaube, respektive ihre Überzeugung, an ihre eigene Größe, bedarf keiner Revision. Dafür hat sie schließlich ihre Starrsinnigkeit, ihr unbändiger Durst nach Macht zu weit gebracht in ihrer Karriere, sind sie doch früher damit gut gefahren, doch heute wirken sie nur mehr lächerlich. Und ihre Selbstimmunisierung (Ernst Topitsch) schützt sie davor das Gelächter zu hören, dem sie sich durch ignorante Arroganz preisgegeben haben. Und so sind diese Wissensautoritäten taub und blind, verschließen ihre Augen vor dem Neuem, zu groß ist ihre Angst davor, zu sehr sind sie sich ihrer Sache sicher, so sehr, dass sie es nicht für nötig erachten ihr angeblich sicheres Wissen zu überprüfen und zu revidieren, denn es käme einem Machtverlust gleich. Denn Wissen ist Macht, aber auch nicht mehr.

Ängstlich klammern sie sich an ihre Kollegen und verlassen sich ganz darauf, dass wenn sie sich im Peer Review gegenseitig ihre Ansichten bestätigen, ihre Aussagen aneinander angleichen, dass es sich dann um Wahrheit um gesichertes Wissen handle. So sieht es kaum jemand  für notwendig an die Prämissen, die Grundannahmen zu hinterfragen, auf deren Grundlage sie forschen, um ihr Wissen zu maximieren, ihre Macht auszubauen. Und eine Hinterfragung des Wissens, ein Machtverlust soll ihnen nicht passieren, jedenfalls nicht vor ihrem Ableben. Und auch für danach versuchen sie Zeit ihres Lebens mit der Macht, die ihnen ihre eingesetzte gesellschaftliche Autorität verleiht, alle auf ihren Glauben, ihre Überzeugung, sie nennen es Wissen, einzuschwören. Und so züchten sie brave Kopien ihrer selbst in allen die ihnen zuhören.
Und Revision ist dabei nur schädlich für ihren Machterhalt und erst recht die Selbstreflexion.
Doch eines ist ganz klar, ihre Macht, die sie, aus dem was sie für Wissen halten, beziehen ist nicht nur vergänglich, sondern relativ und gleicht nicht einmal der Bedeutung eines Staubkorns auf der Reise durchs Universum.

Und so, zieht man Sir Francis Bacons Ausspruch in Betracht  – Wissen ist Macht – wird einem schnell bewußt, dass Wissenschaft nicht Wissen, sondern Macht schafft. Macht über die Natur, Macht über die Menschen. Wissenschaft ist daher ein Machtapparat. Und wie jeder gut geölte funktionierende Machtapparat hat auch die Wissenschaft ihre Funktionäre, ihre Apparatschiks, die in strenger Hierarchie nach nichts höherem als nach ihrem Machtausbau streben und alles unterdrücken was diesem im Wege steht.

Ähnlich wie früher und zum Teil auch heute noch in der Kirche und seinem Machtapparat, wo  Macht und ihr Erhalt mit dem Bezug auf Gott gerechtfertigt wurde, wird heute in der Wissenschaft Macht und ihr Erhalt mit dem statistischen Zahlenspiel und mit dem Vorschützen angeblicher  Objektivität gerechtfertigt.

Und da die Wissenschaft ihrer Natur nach der Ratio folgt, und das was den Menschen ausmacht, sein Zentrum im Gehirn sucht und dort lokalisiert und festschreibt, entfernt sie sich immer mehr von der Menschlichkeit und versteigt sich immer mehr im Gehirn, in ihrem Allerheiligsten. Und so folgen sie in bravem, angepasstem und blindem Gehorsam im Zug der Lemminge dem Rationalismus, auch wenn er sie sich immer mehr im Gehirn versteigen lässt und immer mehr der Menschlichkeit, dem Menschen in seiner Ganzheit entfremdet.

Rene Descartes „cogito ergo sum“ – „ich denke also bin ich“ verpflichtet, denken sie scheinbar an alles, sogar an die Ausschaltung des Ichs (Georg Christoph Lichtenberg) und doch vergisst die Wissenschaft auf das Wesentliche, auf das Wichtigste, auf den Menschen in seiner Ganzheit mit seinem Herzen, seinen Gefühlen, seinem Sinn und seiner Ratio. Sie vergisst darauf das es um den Menschen geht und um das Gleichgewicht. Und unausgeglichen wie ihr Verstand, bringt die Wissenschaft auf ihre akribische Art nicht nur den Menschen und alle die an in  forschen, sondern auch die Natur aus dem Gleichgewicht. Mit jeder technologischen Neuerungen, die uns die unausgeglichene Wissenschaft schenkte, brachte sie uns alle dem Abgrund einen großen Schritt näher, näherte sie uns ihrem Ziel an die Welt aus dem Gleichgewicht zu bringen, sich die Welt Untertan zu machen, und erst damit aufzuhören die Welt zu organisieren, zu „verbessern“ sich anzugleichen, wenn die Welt genauso im Ungleichgewicht ist, wie die Wissenschaft selbst.

Daher blickt man auf unsere Welt im Ungleichgewicht, ist es hoch an der Zeit, dass die Wissenschaft, die behauptet die einzige zu sein die Wissen schafft, und dabei nur nach Macht und noch mehr Macht über die Menschen, über die Natur strebt, endlich von ihrem wissenschaftlichen Hochmut, ihrem Machtstreben und der Demütigung von Mensch und  Natur lässt und mehr Selbstkritik, Selbstreflexion und Demut vor Mensch und Natur zeigt und nach Gleichgewicht und Ganzheitlichkeit strebt.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

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