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Die ungesunde Natur der gesunden Konkurrenz

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25. November 2014 von Sydney Polart ©

Gesunde Konkurrenz, was soll das sein? Was soll an Konkurrenz jemals gesund sein? Gesunde Konkurrenz gibt es nicht. Es gibt nur Konkurrenz und Menschen, die über Euphemismen versuchen ihr fragwürdiges und gnadenloses Treiben in Zuckerwatte gehüllt besser der Öffentlichkeit verkaufen zu können, besser vor ihr rechtfertigen und gegen jedwede Kritik abschirmen zu können.
Konkurrenz basiert auf der Vernichtung des anderen, oder zumindest baut sie auf den Schaden und auf die Unterdrückung, und im Prinzip auf die Vernichtung des anderen auf. Dazu hat auch der Meeresbiologe Hans Hass in seinem Buch „Der Hai im Management“ publiziert.

Doch Konkurrenz beflügelt das Geschäft, spornt die Kreativität an, und deshalb ist sie gesund, so heißt es.
Diese Annahme basiert auf dem zweifelhaften Menschenbild, dass der Mensch von Natur aus schlecht, faul, von Grund auf gierig, nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht und zu nichts nütze ist, außer er wird unter Druck gesetzt, unterdrückt, genötigt, von außen angetrieben zur Aktivität gezwungen, also es werden ihm die Sporen gegeben. Und als wäre dieses den Wirtschaftswissenschaften zugrunde liegende Menschenbild noch nicht genug des Einblicks in den Abgrund menschlicher Irrwege einiger weniger, wird darin, in der Logik der Konkurrenz, auch noch an der Annahme festgehalten, der Mensch wäre nur zur Kreativität fähig, wenn er sich im Szenario von Gewinner und Verlierer befindet und die stete Bedrohung ausgelöscht zu werden im Nacken spürt.

Not macht erfinderisch, mögen sich jetzt manche denken, und vergessen dabei, dass auch dieser Spruch aus einer Zeit des Mangels entstammt, in der allgegenwärtige Unterdrückung, Gewalt und Faschismus an der Tagesordnung stand, und ein Leben – wie mancherorts leider noch immer – nicht viel zählte. Dies entstammt einer Zeit, in der es vielleicht logisch erschien, dass man nur dann Kreativität freisetzt, wenn man voll der Panik und im Überlebenskampf am Untergang, an der Tötung, eines anderen arbeitet.

Mir kommt dabei das Szenario des Circus Maximus im Alten Rom, in dem die Gladiatoren in der Arena, bei tosendem Geschrei von den Tribünen und zum Gaudeum der Menge, in Todesangst gegeneinander antreten und zur Ermordung des anderen ganz besonders erfinderisch sein mussten, da sie zum Teil ganz bewusst zur Freude der Menge nur mit unzureichender Bewaffnung oder Verteidigung für den Kampf ausgerüstet wurden, und manchmal mit nichts anderem bewaffnet als ihrer Haut gegen wilde Tiere und bewaffnete Gegner antreten mussten. Ave Cesar, die Totgeweihten grüßen dich.

Jedenfalls für mir verhält es sich so, dass ich diese eben beschriebene Form der Erzwingung von Kreativität als zutiefst abwegig, ja sogar abscheulich und archaisch erlebe.
Denn ich bin nur dann kreativ, wenn ich ein Mindestmaß an Ruhe habe, manchmal auch wenn ich mich in mitten des Trubels befinde. In jedem Fall bin ich nicht kreativ, wenn ich in Lebensgefahr schwebe, Morddrohungen erhalte oder dergleichen. So ist aus meiner Sicht nur dann eine zivilisierte menschenwürdige Kreativität möglich, wenn auch ein zivilisiertes Umfeld gegeben ist.
Und siehe da, auch dieser Text, an dem ich gerade schreibe, kommt unter zivilisierten Bedingungen zustande, ohne dass mein Leben oder besser Überleben währenddessen auf dem Spiel steht.

Wer also diese verschärfenden Rahmenbedingungen der Panik und des Adrenalins, des Überlebenskampfes und des Arbeitens am Schaden und Untergangs eines anderen braucht, um kreativ zu werden, um seine Kreativität zu entfesseln, um den Auftrag an Land zu ziehen und im Wettbewerb mit anderen der Beste zu sein, den würde ich keineswegs als gesund bezeichnen, noch seine Einstellung Konkurrenz an Kreativität zu ketten und Konkurrenz damit als gesund auszugeben; zumal dieser spannungsgeladene Mensch damit bloß sein Konkurrenzdenken und sein Bedürfnis nach animalischem Totbeißen tarnen, rechtfertigen, aufrechterhalten, und als sympathisch herausstellen will. In seinem Versuch sein misanthropisches Menschenbild und seine destruktive sozialdarwinistische und räuberische Einstellung zum Leben und anderen Menschen als  gesellschaftlich akzeptabel auszugeben, erscheint er in unserer heutigen Zeit vielmehr als Barbar, als asoziales Relikt aus zum Glück längst vergangener Zeit mit darüber hinaus starken Bedarf eines Trainings in sozialer Kompetenz, auch und gerade dann, wenn er davon selbst nichts weiß oder nichts wissen will.

Dieser Mensch befindet sich dann wohl eher fortwährend im Krieg mit anderen und am meisten mit sich selbst, jedoch ist er weit davon entfernt als gesund angesehen werden zu können.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

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