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Die Welt im Gleichgewicht

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12. November 2014 von Sydney Polart ©

Würden Forscher – der technischen Wissenschaften und Naturwissenschaften generell – genauso viel Zeit für Selbstreflexion aufwenden, sich darum bemühen über sich selbst mehr zu erfahren, wie sie versuchen alles in der Welt und im Universum zu verstehen, lebten wir in einer anderen, in einer besseren und gerechteren und letztlich in einer reflektierteren Welt, in einer Welt im Gleichgewicht. Denn wie soll die Forschung von jemandem, der über sich selbst nichts oder schlicht viel zu wenig weiß, dafür danach trachtet über alles andere Bescheid zu wissen, etwas anderes bewirken, als die Welt ins Ungleichgewicht zu bringen?
Denn wer nur nach außen blickt, über alles andere und nichts über sich selbst erfahren will, alles über andere wissen will, der ist vollends und dauerhaft außer sich und denkt in völliger Selbstvergessenheit den Bedarf nach Selbstreflexion nicht zu haben. Will er alles über andere wissen, nichts aber über sich selbst, ist er zumeist empirischer Sozialforscher in steter Erhebung und gleicht einem hoch neurotischen Diktatur mit Verfolgungswahn, der sein Volk bespitzelt. In jedem Fall blickt er manisch nach außen und reagiert ungehalten auf alles, was auf Selbstreflexion weist. Und doch sucht der Forscher insgeheim und unterbewusst im abgelegensten Amazonasgebiet oder in der Identifizierung des noch so kleinsten Nanoteilchens oder in der Optimierung der Materialforschung der größten Blauweißen Motorenbetriebe sowie im hintersten Winkel unserer Galaxie nach dem Sinn, nach dem Leben, nach sich selbst. Doch davon weiß er nichts, denn er weiß von sich noch viel zu wenig. Oder wie pflegte ein in Graz nicht unbekannter Professor von mir, welcher der Philosophie der Naturwissenschaft und Technik nahe steht, zu sagen, ‚wer nach innen blickt, schaut in ein schwarzes Loch und das hat keine Relevanz, trägt nicht zur Erkenntnis über die Welt bei‘, und verkannte dabei völlig, dass er mit vereinahmender Sprache und gottgleichem ‚Pluralis Majestatis‘ nur von sich und für seinesgleichen sprach, nicht aber für mich und meinesgleichen. Und ein anderer meiner Professoren, der mit angepasstem Nach-oben-Flutschen sein Leben, seine Karriere sehr erfolgreich bestritt, dessen unweigerliches Verdienst es war die Andragogik an die Universität nach Graz zu tragen, erwiderte auf eines meiner kritischen Statements bloß aalglatt und zynisch, ‚dass das Leben und die Welt nur aus Interessen besteht, nicht aber ein größerer Sinn dahinter besteht und schon gar kein Sinn des Lebens‘. Klar, dieser lässt sich nicht mit empirischer Sozialforschung quantifizieren, und doch ist die Frage nach dem Sinn die wichtigste aller Fragen, zumal wir sie schon brauchen, um sinnerfassend lesen zu können, um zwischen den Zeilen zu lesen sowie den großen Zusammenhang zu erfassen und Statistiken zu erstellen und auszuwerten, zu interpretieren. All das erfordert, den Sinn zu verstehen. Und allen Versuchen zum Trotz den nach dem Sinn fragenden Menschen Galileo gleich zum Abschwören zu bringen: sie dreht sich doch, alles dreht sich um die Frage nach dem Sinn. Ein andermal meinte selbiger Professor mit all der scheinbar antiautoritären Kraft seiner Autorität: ‚Moralisieren Sie nicht, Herr Kollege!‘ Und wieder ein andermal hieß es: ‚Psychologisieren sie nicht!‘. Und wieder ein andermal, als ich einen ‚unerhörten‘ Sinnzusammenhang zwischen der fehlenden Integration von MigrantInnen und dem Umstand, dass sich diese in der 3. Generation als nicht hüben und nicht drüben erleben – also zwischen den Stühlen der Kulturen – setzte eine selbigem Professor hörige Lakaiin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der dadurch erwachten Diskussion mit all der Autorität ihrer Funktion ein jähes Ende, mit den Worten: ‚Dramatisieren Sie nicht, Herr Kollege!‘.
Ich aber frage: wer tut es denn sonst? Wo bleibt die Wissenschaftlichkeit in einem System in dem die Vergabe höchster universitärer Würden über Jahrzehnte nach Gesichtspunkten des Parteibuchs entschieden wurde und groteskerweise sich selbige durch die Partei eingesetzte Wissensautoritäten stets auf Objektivität berufen. Und gleicht es nicht vielmehr einer Meinungsdiktatur, wenn die eingesetzten Autoritäten einem Rhinozeros gleich, das ein Feuer sichtet und es sofort austreten muss, substantielle Diskussionen unterbinden, sofern sie denn überhaupt einmal entstehen? Und so ergehen sie sich lieber in sinnentlerten Pseudodiskussionen und wälzen sich zufrieden im Schlamm der Scheinprobleme, und werden, aufgrund dessen, dass sie sich mit aller Vehemenz der Balance ihres Inneren, der Selbstreflexion und allen Hinweisen darauf verschließen, ihrer Aufgabe der substantiellen Gegenrede zur Lage der Welt und den Kräften darin nicht gerecht. Stattdessen ergehen sie sich in der klagenden Beschreibung des Außen und versuchen alle anderen Selbstreflexion einfordernden Ansichten mit der Autorität, die ihr Amt ihnen gibt, im Keim zu ersticken, mit Sophismus verstummen zu lassen oder einfach plump zu übertönen.
Da die Kontrollinstanzen, ob sie nun der Philosophie oder Andragogik oder einer anderen Disziplin angehören, im Grunde ausfallen, forscht die Forschung ohne effektive Supervision, ohne Wissenschaftskritik, auf ihre bewährt partielle und unausgeglichene Art munter weiter und die Wirtschaft sorgt notfalls mit künstlicher Verknappung, stringent den Gesetzen des Marktes folgend für weiteres Ungleichgewicht in Form von ungerechter Verteilung in der Welt. Wirtschaft und Technik sind die linke und die rechte Hand des Teufels, würden Theologen sagen. Ich aber sage, wenn ich Kinder bekomme, werden sie in eine Welt geboren, in der Technik, Naturwissenschaft und Wirtschaft in unheiliger Allianz – George W. Bush hätte in anderem Zusammenhang gesagt in der ‚Achse des Bösen‘ – so sehr darum bemüht sind, die Welt ihnen gleich zu machen, ihre Unausgewogenheit im Inneren nach außen zu gebären und mit ‚besten‘ doch äußerst zweifelhaften Absichten in Windeseile und in aller wissenschaftlicher Akribie an unser aller Untergang zu arbeiten. Mit uneingeschränktem Vertrauen von noch zu vielen an sie Glaubenden im Rücken, spielen sie in wissenschaftlicher Neugier im Außen am Roulette des Marktes mit unser aller Leben, und der Einsatz das sind wir.

Die Welt wäre im Gleichgewicht,
wären nicht in Liaison mit verantwortungslos-unfähigen Politikern,
so manch brandgefährliches Forscherlein,
so manch skrupellos-egoistischer Wirtschaftswicht,
mit unausgewogenem Geist,
unausgegorenem Weltbild,
und noch schlimmerem Menschenbild,
selbst so sehr im Ungleichgewicht.

Versteht man sich selbst, versteht man die Welt.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

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