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Der Unrechtsstaat – Im Schatten der Freiheit

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8. November 2014 von Sydney Polart ©

Anlässlich des 25. Jahrestags des Falls der Berliner Mauer: blickt man auf die individuelle Ebene, gibt es natürlich viele Menschen, die in der ehemaligen DDR gelebt haben und ihre Zeit darin weitgehend als schön empfanden, ihr Leben genossen haben. Das steht außer Streit. Doch hielte man die individuelle und gesellschaftliche Ebene nicht klar auseinander, argumentierte man auf Basis eines Kategorienproblems, und das geschieht leider nur allzu oft. Und ganz nebenbei bemerkt, bis hierher, wären meine Zeilen, wären sie von mir in der DDR geschrieben worden, für das System akzeptabel gewesen. Die folgenden Zeilen jedoch wären von ihrem Duktus und ihren Worten her als zu differenziert und systemkritisch aufgefasst worden und hätten mich in Teufels Küche gebracht.
So war es nicht an sich in der DDR so schön, sondern diese Menschen haben das Beste aus ihrer Situation gemacht, sie haben sich mit dem System arrangiert. Als Genossen genossen sie das unbestimmte wohlig-warme Wir-Gefühl, welches sie später nach der Wiedervereinigung niemals mehr empfinden sollten. Daraus ergibt sich auch ihre rückblickend romantisierte Darstellung der DDR und des Lebens darin. Anderen DDR-BürgerInnen war dieses Arrangement mit dem System nicht möglich, denn sie wollten immer schon mehr Freiheiten als ihnen das System zugestand. Sie fühlten sich entweder unterdrückt, ihrer grundlegenden Menschenrechte beraubt oder lehnten sich auf und suchten der auf ihnen lastenden Ideologie der Gleichmacherei zu entkommen und flohen deshalb über die Grenzen in den freien Westen, wenn, ja wenn es ihnen überhaupt gelang. Und die, denen es gelang, mussten im Wissen Leben, dass sie ihre Lieben, die sie zurückließen, gesellschaftlicher Repression aussetzten. Oder sie blieben in der DDR und suchten das System zu reformieren, es menschenwürdiger zu machen und mussten oftmals einen hohen Preis dafür zahlen. Entweder bezahlten sie mit ihrem Leben oder mit dem Verlust ihrer so sehr geschätzten Freiheit und waren eine/r der circa 200.000 politischen Gefangenen der DDR, die aufgrund ihrer systemkritischen anderen politischen Ansichten ihrer Freiheit über viele Jahre beraubt wurden. Denn von der gesellschaftlichen Makroebene aus betrachtet, aus der Vogelperspektive, war in der DDR niemand frei, außer vielleicht die Vögel wenn sie über das Land flogen. Die DDR war nichts anderes als eine Diktatur, ein Unrechtsstaat, in dem niemand etwas daran fand, ja mehr noch  niemand sich traute etwas daran zu finden, dass die allgegenwärtige gegenseitige Bespitzelung an der Tagesordnung stand, um parteiabweichendes Denken und die freie Meinungsäußerung zu unterbinden, um mit Gewalt, Einschüchterung und Angst vor dem Nächsten sicherzustellen, dass alle das gleiche, ja sogar dasselbe glauben, denn nur das gleiche zu glauben, hätte zu viel  individuelle Freiheit bedeutet und letztlich die Chef-Ideologen zu sehr in Frage gestellt, zu sehr verunsichert. Und deshalb wurden mit aller Gewalt und mit allen Raffinessen die Menschen dazu angehalten sich verhalten zu verhalten und damit in steter  Unsicherheit gehalten, da niemand wusste wer ihm gerade zuhört und ob er sich nicht gerade mit zu sehr von der Parteilinie abweichenden Worten um seine Freiheit redete oder wer illegal versuchte die Grenze zu überqueren auch unbewaffnet von hinten erschossen zu werden. Denn die Landesflucht wurde an der Grenze mit dem Tode bestraft. Und so wurden die Menschen in diesem System mit Arbeitsplatzsicherheit und Gleichheit in konstanter Unsicherheit und gegenseitigem Misstrauen homogen gehalten und da niemand wusste wie sehr er sich und seine Lieben schon mit seinen Worten in Gefahr gebracht hatte, entschieden sich viele dazu zu schweigen. Und während die freie Welt zeitgleich in ihrem Lärm der Vielfalt, schrill und eklektisch, widersprüchlich und ungleich, die individuelle Freiheit lebte, lebte man in der DDR, in der Deutschen Demokratischen Republik, in der ‚Dunkel-Deutschland-Republik‘, ein stilles, einheitliches und konformes, ein angepasstes und einfaches Leben ohne viel Wahlfreiheit, ohne viel Ablenkungen, ein Leben im Schatten der Freiheit.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

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